Log-Buch

Ich weiß es doch auch nicht – Bertolt Brecht im Disput mit Patrick Eede
am Charlotte-Wolff-Kolleg
von Patrick Eede
Tag 1:
Dienstbesprechung zum Schuljahrsbeginn – Stundenplan: sehr gut (3 x erst ab 10.15 Uhr); Chef: sehr gut (lobt seine Mitarbeiter); Kollegen: sehr gut (hilfsbereit und gleich per du)
Tag 2:
erste neue Kurse: Bio-Leistungskurs: motivierte junge Menschen, einige vielleicht etwas übereifrig, dafür andere etwas abgelenkt; aber alle: sehr lebenserfahren – das hilft! Deutsch-Grundkurs: einige motivierte junge Menschen (die sogar in ihrer Freizeit lesen!) und einige, die sich selbst bedauern, da sie Deutsch nicht abwählen konnten; aber alle: sehr freundlich – das hilft!
Tag 3:
Abfluss verstopft im Bioraum; Hausmeisterin (sehr hilfsbereit) sagt, Überreste vom Sommerfest; das muss ja hoch hergegangen sein
Tag 4:
neue Kurse: Biogrundkurs: interessante Mischung: einige, die den Grundkurs wählen mussten, obwohl Bio zu ihren besten Fächern gehört, man aber lediglich zwei Leistungskurse wählen kann; andere, die Bio wählen mussten, obwohl sie mit Naturwissenschaften überhaupt nicht klarkommen, Bio aber vorgeblich das kleinste Übel neben Chemie und Physik war – na dann, mal los!
Tag 5:
der Fahrradständer im Hof ist super; sehr lustig sind die süßen Räder und Roller der kleinen Racker aus der KiTa – tolle Mischung hier
Tag 6:
neue Kurse: E-Phase Bio: süß, sehr eifrig, fleißig und nett
Tag 7:
sehr, sehr schönes Gebäude (wenn auch etwas verwinkelt); Kunstbereich sehr aktiv mit richtig guten Ausstellungsobjekten; elektronische Anzeige für Mitteilungen funktioniert und wird sogar gelesen
Tag 8:
Was? Wie soll ich denn mit dem Kopierkontingent auskommen? Damit kann ich jedem Kurs ja gerade mal 10 Kopien im Semester geben!?
Tag 9:
Aha, dafür funktioniert die Leih-Bücherei sehr gut. Frau Wirner macht auch viel mehr als nur die Bücherausleihe!
Tag 10:
Fahrrad geklaut! Da nützt einem ja der schönste Fahrradständer in der Schule nichts, wenn einem zu Hause vor der Tür das Rad geklaut wird. Deshalb zu spät in den Unterricht gekommen. Die Schüler haben geschimpft – zu Recht!
Tag 11:
Zurückgeschimpft! Einige haben hier noch echte Probleme mit dem Pünktlichsein – naja, die werden’s auch noch lernen.
Tag 12:
Lösung gefunden für das restriktive Kopierbudget: auf www.lernraum-berlin.de kann ich einen virtuellen Kursraum kreieren und Arbeitsblätter als pdf-Datei ablegen. Genial – zeitgemäß, praktisch und budgetschonend!
Tag 13:
Oh, das ging ja schnell – schon die erste Beschwerde über mich beim Chef!? Scheint mit dem virtuellen Kursraum und den elektronischen Arbeitsblättern doch nicht so gut anzukommen. Dabei kann man doch im Computerraum der Schule ausdrucken, auch wenn man zu Hause keinen Drucker hat.
Tag 14:
Apropos Computerraum: Die IT-Ausstattung ist extrem beeindruckend. Fast überall Beamer, Rechner, ein Raum mit White-Board und überall im Haus Wlan. Und die Kollegen, die das alles warten, sind flink, kompetent und hilfsbereit. Habe ich so noch nirgends erlebt!
Tag 15:
Gesamtkonferenz: Ein echtes Déjà-vu: Diskussion um die Projektwoche – spaltet das Lehrerkollegium.
Tag 16:
Heute das “stille Lehrerzimmer” im dritten Stock entdeckt. Arbeitsame Atmosphäre und eine Menge Arbeitsmaterialien für Deutsch. Muss ich ‘mal in Ruhe durchstöbern.
Tag 17:
Aha – auch hier kann man also Pärchenbildung in der Schülerschaft beobachten. Naja, normal – für viele Kollegiaten ein Hauptgrund, hierher zu kommen.
Tag 18:
Fachkonferenz Bio: zügig, ergebnisorientiert, kommunikativ. Gute, sehr nette und hilfsbereite Kolleginnen. Super!
Tag 19:
Das städtische Umfeld hier ist ja ganz schön verlockend. In der Fußgängerzone findet sich jeder Laden, den man brauchen könnte. Bestens, wenn man in einem Freiblock schnell etwas besorgen muss. Sogar meine Bank mit Geldautomat ist in Fußnähe.
Tag 20:
Schon wieder eine Beschwerde beim Chef!? Was bin ich nur für ein schlechter Mensch! Die Schüler denken hier wohl, dass man sich seine Lehrer aussuchen kann und wenn er nicht passt, dann beschwert man sich und wechselt den Kurs – komisch, kannte ich so bisher noch nicht.
Tag 21:
Heute zum ersten Mal realisiert, was für einen schnuckeligen zweiten Hinterhof wir haben. Total still und grün. Da kann man ja wunderbar entspannen, wenn’s warm ist.
Tag 22:
Gesamtkonferenz – na, wenn’s der Schulentwicklung dient, immer gerne.
Tag 23:
Im Freiblock in der Cafeteria Backgammon gespielt. Schöner Raum, gute Atmosphäre, sehr freundliche Schüler (haben mich sogar gewinnen lassen).
Tag 24:
So langsam verlaufe ich mich auch nicht mehr im Gebäude – und kenne sogar schon die eine oder andere Abkürzung! Ich wundere mich nur über die vielen Leute, die immer Aufzug fahren – dauert doch total lang; außerdem macht ja jeder Gank schlank (wie mir ‘mal vor Jahren eine Schülerin sagte).
Tag 25:
Nächste Beschwerde über mich beim Chef – hier kann man’s den Leuten aber auch gar nicht recht machen. Ich werd jetzt meinen Leuten ‘mal sagen, dass sie auch ‘mal zum Chef gehen sollen, wenn sie mich loben wollen. Der kriegt ja sonst ein völlig falsches Bild von mir.
Tag 26:
Online gehen im Unterricht ist enorm cool – schnell mal eine Abbildung finden von Löffelenten und an die Wand projizieren oder die Schüler schlagen übers Smartphone den Geburtsort eines Dichters nach – LAN sei dank.
Tag 27:
Was die Leute manchmal für Unmengen an Süßigkeiten und Cola vor sich auf den Tischen stehen haben; und das schon im ersten Block. Dabei sagte ich neulich noch, dass ich mir wünsche, dass man in meinem Unterricht klug wird und nicht dick. Aber so ein Kekschen zum Kaffee im vierten Block ist schon okay.
Tag 28:
Kleiner Test in Deutsch: fünf einfache Fragen, fünf einfache Antworten, die jeder geben kann, der den Text gelesen hat. So haben alle ‘was davon.
Tag 29:
Echt kunstvoll die Kollegiaten hier; wie die basteln, malen, spielen und dichten, wenn’s mal eine kreative Aufgabe gibt, macht Spaß beim Zuschauen.
Tag 30:
Was? Schon Herbstferien? Das ging ja schnell. Heute nochmal die lieben E-Phasler unterrichtet. Jetzt ein bisschen Zeit zum Sortieren und zum Korrigieren, aber dann freu’ ich mich schon wieder auf’s Kolleg!
