Kubilay Yilmaz
Vorkurs
Der Unterricht im Vorkurs war für mich sehr leicht, weil ich mit frischem Realschul-Wissen eingestiegen bin. Die Lehrer waren von meinen Kenntnissen sehr angetan. Im Vorkurs brauchte ich mich also nicht anzustrengen.
E-Phase
Die E-Phase, das ist die 11. Klasse, war dagegen sehr stressig, weil ich auf einmal viele Fächer dazu bekam; im Vorkurs hat man nur Deutsch, Mathe und Fremdsprachen. Ich habe die Anforderungen der E-Phase unterschätzt und daher nicht viel gelernt, die Noten waren dementsprechend. Gegen Ende der E-Phase habe ich mir dann mehr Zeit zum Lernen genommen und bin deshalb gerade noch durchgekommen.
Q-Phase
Schon war ich in der Qualifikationsphase, also in der 12. Klasse. Als Leistungskurse hatte ich Mathematik bei Manthey und Physik bei Winkowski gewählt.
Mathe: Sieg über die Lässigkeit
Mathe war sehr anspruchsvoll. Es ging z.B. los mit Kurven, die ein Kranhaken fährt. Die sollten wir entwickeln und zeichnen. Ich ließ es locker angehen, denn in der E-Phase war ich in Mathe gut mitgekommen. Die Fünf in der ersten Mathe-Klausur war deshalb ein Schock! Ich sagte mir: Wenn das so weitergeht, wird Dein Traum zum Alptraum. Die nächsten zwei Jahre bestimmen Deine Zukunft! Und ich schwor mir: Diese Note wird nicht noch einmal vorkommen!
Dann habe ich mir ein hartes Arbeitsprogramm auferlegt: Jeden Tag zum Kolleg, keine Stunde unnötig versäumen, immer mitmachen! Und nach dem Unterricht ab nach Hause zum Lernen, und das jeden Tag! Kein Fernsehen, keine Feiern: „Freunde tut mir leid, aber ich muss lernen, habt erstmal ohne mich euern Spaß.“ Ich bin sogar einmal auf meinem Schreibtisch eingeschlafen bis meine Mutter mich nachts aufgeweckt hat.
Das Ergebnis war eine Zwei im Mathe-Abi!
Ich habe nach dem Erfolg gestrebt und ich habe es geschafft. Jetzt bin ich glücklich!
Leute, macht es genauso wie ich; ackert hart und ihr werdet es auf keinen Fall bereuen.
Mathe mit Computerhilfe
Im Matheunterricht haben wir nach der theoretischen Herleitung bei der Anwendung des Gelernten mit einem Computerprogramm gearbeitet (Derive). Obwohl ich wenig Computer-Erfahrung hatte, auch Mathe-Programme kannte ich nicht, fiel es mir leicht, mich mit Derive anzufreunden. Dank Derive kann ich jetzt problemlos jede Funktion aus dem Kopf zeichnen. Wir haben sogar Kurven und Flächen in 3D gehabt, elliptische Wendeltreppen z.B., kein Problem. Ohne Derive hätte ich es schwer gehabt, kompliziertere Funktionen zu untersuchen. Das Arbeiten mit Derive war sehr hilfreich. Also Leute, keine Angst vor Mathe-Programmen!
Mathe-Hausarbeiten
Derive war nicht nur im Unterricht hilfreich, sondern auch Zuhause. Wir aus dem Mathe-LK haben die Lösungen von Hausaufgaben untereinander per E-Mail gesendet, Ansätze verglichen und Fehler korrigiert. Unsere individuellen Lösungen haben wir per E-Mail an den Lehrer gesendet, der hat sie korrigiert, Verbesserungen vorgeschlagen und dann benotet, wenn wir die Endfassung eingereicht hatten. Die Liste der Noten stand im Netz. Jeder konnte jederzeit seinen „Stand“ sehen und mit anderen vergleichen. Durch den laufenden Kontakt konnten wir viel von einander und vom Lehrer lernen.
Physik
Im Physikunterricht haben wir viel experimentiert. Jetzt weiß ich z.B. wie Röntgen funktioniert, mit welcher Geschwindigkeit wir mit der Erde um die Sonne rotieren und vieles mehr. Das Beste ist, dass ich nun die Zahlen schnell selbst berechnen kann, wenn ich mal eine vergessen habe.
Über das Charlotte-Wolff-Kolleg allgemein
An der Schule gib es alles, was man braucht: Teestube, nette Lehrer, nette Sekretärin, netten pädagogischen Leiter, netten Schuldirektor und nette Hausmeisterin. Die Schule hat grüne Höfe, auf denen man entspannen kann. Bei schönem Wetter hatten wir auch im Garten Unterricht.
Über die Lehrer
Ich hatte nie Probleme mit den Lehrern. Wir haben im Unterricht viel gelacht und Spaß gehabt. Zwei Lehrer werde ich besonders vermissen: Hasso B. Manthey aus dem Mathe-LK und Lothar Winkowski, meinen Lehrer aus dem Physik-LK. Aber auch bei Herrn Schulte, Herrn Buschen, Herrn Bühler, Herrn Kubsch und bei Frau Zenns hat mir der Unterricht Freude gemacht. Jeder Lehrer hat seine Eigenheiten. Das macht den Unterricht sehr abwechslungsreich.
Über meine Mitschüler
Im Kolleg habe ich auch viele nette Leute kennengelernt, mit denen ich Kontakt halten will: Padde, Kai, Sabo, Annett, Tom, Klytta, Kristijan, Patrick, Kristian B., Christan, Alexander, Rainer u.a.
Abschluss am Kolleg
Die dreieinhalb Jahre am Kolleg waren eine sehr schöne Zeit. Ich habe im Kolleg nicht nur in Mathe, Physik usw. gelernt, sondern auch viel fürs Leben, z.B. über Kunst, Geschichte und Politik.
Jetzt will ich Maschinenbau studieren. Für die Zeit nach dem Studium habe ich noch kein festes Ziel. Vielleicht gehe ich in die Industrie oder werde selbstständig, z.B. Sachverständiger, TÜV-Prüfer o.ä.
Kubilay Yilmaz
Berlin, den 8.10.2008
Zum Beginn des Studiums
Berlin, November 2008
Ich bin jetzt an der Humboldt-Uni in Physik immatrikuliert.
Ich habe mich vorsichtshalber überall beworben – nur von der HU habe ich eine Zusage bekommen.
Ich bin aber als Gasthörer an der TFH-Berlin im Fach Maschinenbau zugelasssen. Ich darf die Klausuren mitschreiben und wenn ich dann zur TFH wechsele, kann ich die Noten anerkennen lassen. Das spart Zeit.
Ich wollte Maschinenbau studieren, aber von der TFH habe ich eine Absage bekommen. Deshalb versuche ich mich einzuklagen. Die Klage läuft noch.
Mathe an der Uni
In Mathe machen wir jetzt zu Beginn fast das Gleiche, was wir bei Manthey im LK am Kolleg gelernt haben. Der Prof zieht es anders auf, aber ich komme gut mit.
Dazu ein Beispiel:
Der Prof an der TU zeigte uns den Graphen der Sinus-Funktion x*sin(x) und fragte uns nach der Differenzierbarkeit. Ich war der einzige, der sich meldete, denn solche Funktionen haben wir im LK am Kolleg immer wieder untersucht. Als ich mit dem Satz anfing: “Die Funktion ist an der Stelle nicht diffbar, weil die Folgen der Sekantensteigungen…..”, unterbrach mich der Prof und meinte: “Sie brauchen hier jetzt nicht so anzugeben, nur weil Sie aus einem höheren Semester kommen. Ich wollte es nur grafisch erklärt haben”. Er wusste, dass ich Gasthörer bin, dachte aber wirklich, dass ich Mathe studiere und aus einem höheren Semester komme. Tatsächlich mussten wir im Mathe-LK am Kolleg die Differenzierbarkeit und vor allem die Nicht-Differenzierbarkeit so oft üben, dass wir das noch im Schlaf konnten.
— Leute, besucht den Mathe-LK am Kolleg. Es lohnt sich! –
In der Vorlesung und im Seminar setzt der Prof an der Uni keine Mathe-Programme ein; wir skizzieren und rechnen alles per Hand. Der Prof hat uns aber dringend empfohlen, zuhause alles mit CAS nachzuzeichnen und nachzurechnen. Für mich ist das kein Problem, denn am Kolleg habe ich Derive gelernt und bei Maple reingeschnuppert, aber meine Mitstudenten kannten kein einziges CAS.
Wir berechnen Nullstellen, Polstellen, Polynomdivision, Partialbrüche, Grenzwerte usw. also zunächst per Hand. Natürlich macht man beim Hand-Rechnen auch Fehler und man kommt nicht weiter. Dann ist Derive die Lösung, auch zur Kontrolle. Wenn ich mit Kommilitonen Mathe lerne und wir nicht weiterkommen, dann lasse ich den Graphen mit Derive zeichnen oder die Funktion faktorisieren usw. Die vier Mitstudenten, mit denen zusammen ich lerne, waren von Derive begeistert und haben sich das Programm besorgt. Sie meinten, dass wir mit Derive viel weiter kommen würden als die anderen.
Kubilay Yilmaz
Dez. 2008
