Wer sich gern in andere Zeiten und Lebenswelten versetzen lässt, um diese genauer kennenzulernen und dann vielleicht auch wieder einen schärferen Blick auf unsere heutige Zeit werfen zu können, der ist im Fach Geschichte richtig. Das Ziel des Faches ist die Entwicklung eines “reflektierenden Geschichtsbewusstseins”. Die Kursteilnehmer sollen die Vergangenheit wahrnehmen, um sich in der Gegenwart besser zu orientieren und die Zukunft mitgestalten zu können. Der Unterrichtsstoff reicht von der Antike bis zur Gegenwart und verteilt sich folgendermaßen auf die einzelnen Halbjahre.
Buchempfehlung:
P. Massing/ G. Breit, Demokratie-Theorien. Von der Antike bis zur Gegenwart, Bonn 2005
Weltgeschichte der Neuzeit. Vom 18.Jh. Bis zur Gegenwart. Herausgegeben von der Lexikonredaktion des Verlages F.A. Brockhaus, Bonn 2005
Beides erhältlich bei der Bundeszentrale für politische Bildung gegen eine Schutzgebühr.
Einführungsphase
GE-E1
Dieser auf zwei Wochenstunden begrenzte Einführungskurs dient vor allem der inhaltlichen und methodischen Orientierung. Es werden Übersichten zu der geschichtlichen Epocheeinteilung und zu einzelnen historischen Themen vermittelt.
Ein Schwerpunktthema ist die demokratische Staatsform. Es wird der Weg verfolgt, auf dem sie sich im antiken Athen entwickelt hat, aber auch ihre spätere Ausprägung bis heute.

Ein Symposium lief im antiken Griechenland etwas anders ab als heute. Zur Erbauung der Männer durften manchmal auch Frauen dabei sein, natürlich nicht die eigenen.
GE-E2
Inhaltlich liegt hier der Schwerpunkt auf der römischen Antike, es geht aber auch ganz wesentlich um die Einübung der fachspezifischen Methodik als Vorbereitung für die Kursphase. Grundfragen der Geschichte wie z. B. die nach der Rolle der Persönlichkeit in der Geschichte, etwa Caesar, werden exemplarisch erarbeitet.

Dieser römische Soldat hatte im Krieg gegen die Germanen zwar die bessere Ausrüstung, aber auch ganz schön viel zu schleppen.
A: Geschichte als vier-Semester-Wahlkurs
GE Q 1
Zunächst werden die Grundlagen mittelalterlicher Gesellschafts- und Herrschaftsstrukturen erarbeitet, dazu gehören Lehnswesen, Grundherrschaft und Kirche. Außerdem werden einzelne Stände wie Adel, Geistliche, Bauern und ihre verschiedenen Lebensformen untersucht.
Schwerpunkt ist dann das Thema „Freiheit im Mittelalter am Beispiel der Stadt“. Wir verfolgen, wie sich auf der Grundlage verschiedener Abhängigkeitsstrukturen der neue Stand der Stadtbürger herausbildet und zunehmend wirtschaftliche und politische Autonomie gewinnt.
Darüber hinaus können einzelne Wahlbereiche wie z.B. Kirchenreform/ Reformation oder die Kreuzzüge bearbeitet werden.

Der Alltag der Ritter war nicht nur von Romantik und Heldenmut geprägt, wie diese leicht verkitschte Darstellung suggeriert – nicht wenige endeten als Raubritter auf dem Schafott.
GE Q2
Dies ist ein stoff- und abwechslungsreiches Halbjahr, das die Zeit von der Renaissance bis zum ersten Weltkrieg umfasst. In Abstimmung mit dem Fach PW greifen wir die Themenbereiche heraus, die dort nicht behandelt werden, um Überschneidungen zu vermeiden.
Wir befassen und zunächst mit der frühen Neuzeit am Beispiel der Themen Reformation oder Renaissance. Dann behandeln wir die Anfänge der Kolonialisierung, vor allem in Südamerika und die zerstörten altamerikanischen Kulturen wie z. B. die der Azteken und der Inkas.
Das Thema „Bürgerliche Revolutionen“ wird in Abstimmung mit PW am Beispiel Englands erarbeitet, zu diesem Thema gehört auch die Entstehungsgeschichte der USA.
Für das Thema „Absolutismusund Aufklärung“ bietet sich in Berlin die Geschichte Preußens an. Diese wird weiterverfolgt durch das Kaiserreich bis zum ersten Weltkrieg.

So ähnlich sah Mexico City vor Ankunft der Spanier im Reich der Azteken aus. Der Kolonialismus hat ganzen Erdteilen seine Regeln aufgezwungen.
GE Q3
Dieses Halbjahr umfasst die Geschichte der Weimarer Republik und der Zeit des Nationalsozialismus. Die Belastung der ersten demokratischen Staatsform durch ihre Entstehungsbedingungen am Kriegsende soll ebenso untersucht werden wie die Gründe, die ihr Scheitern verursachten.
Die Problematik der Zeit des Nationalsozialismus braucht sicher nicht weiter erläutert zu werden. Berlin bietet insgesamt, aber auch besonders zu diesem Thema wegen der vielen Museen und Gedenkstätten die Möglichkeit, einzelne Themen durch Führungen und Workshops zu vertiefen und Kriterien für das eigene Urteil zu gewinnen.

In Berlins „Mitte“, wo heute der Geldadel flaniert, kämpften im Frühjahr 1919 bewaffnete revolutionäre Arbeiter gegen die Regierung.

War es wirklich die deutsche Großindustrie, die den Nationalsozialisten durch Millionenspenden zur Macht verhalf?
GE Q4
Die Zeit nach 1945 ist vor allem gekennzeichnet durch die Blockbildung und die Teilung Deutschlands. Wir beschäftigen uns mit den internationalen Rahmenbedingungen und der Analyse einzelner Konflikte. Schließlich kann auch die Auflösung der Blöcke und die Aufhebung der Teilung Deutschlands gerade in Berlin sehr anschaulich werden, manchmal gibt es sogar unter den Kollegiaten Zeitzeugen, die berichten können.

Der Kalte Krieg spielte sich oft im Untergrund ab: Fluchtweg, Vorrats- lager für Krisenzeiten, Ausspionieren des Gegners. Ergebnis: Der berühmte Tunnelblick.
B: Geschichte als zwei-Semester-Pflichtkurs
GE Q1
Thematik wie im Wahlkurs in Q3, also
Weimarer Republik und Nationalsozialismus.

In den 20er Jahren tauchte ein neues Wesen auf: Unabhängige, selbstbewusste Frauen scherten sich nicht mehr um die verstaubte Moral der Kaiserzeit. Nur kurze Zeit später drängten die Nationalsozialisten sie wieder an den Kochtopf zurück.

Deutsche Professoren und ihre Studenten halfen mit bei der Bücherverbrennung – unter der „geistigen Elite“ Deutschlands hatte der Nationalsozialismus besonders viele Anhänger.
GE Q2
Thematik wie im Wahlkurs in Q4, also
Die bipolare Welt nach 1945.

40 Jahre Teilung Deutschlands und dann plötzlich die erste erfolgreiche Revolution auf deutschem Boden – vom Untergang der DDR und was von ihr übrig ist.
